Die Geschichte der Uniform

Über Uniformen gibt es zahlreiche Publikationen, deshalb hier der Hinweis, dass diese Seiten nicht wirklich eine umfassende Abhandlung bieten wollen und können.
Vielmehr soll dem Interessierten ein Überblick und eine Einführung geboten werden.

Die Uniform entwickelte sich erst wieder nach dem dreißigjährigen Krieg, ab dann bilden Soldaten eines Regiments wieder einen einheitlichen Anblick, da gleich oder ähnlich gekleidet. Die Söldnerheere der Kriege von 1618-1648 kleideten sich ganz individuell, aber mit einheitlichen Stilmerkmalen. Üblich war deshalb, vor der Schlacht ein gemeinsames Feldzeichen anzulegen, ein buntes Stück Tuch am Hut, ein Tannenzweig o.ä.

Die Heere des späten 17. Jahrhunderts trugen noch eine Uniform, die der zivilen Kleidung im Schnitt und der Zusammenstellung nicht unähnlich war und so sollte es auch noch längere Zeit bleiben. Erst viel später bildeten sich nationale Eigenheiten und Gemeinsamkeiten in der Uniformmode heraus und wie wir noch später sehen werden, zeigt sich dann die Tendenz, der Militärmode der jeweils führenden Militärmacht zu folgen. Um 1690 kann hiervon noch keine Rede sein. Wenn es Uniformität gibt, dann auf Regimentsebene. Das Regiment gilt als größter gerade noch zu beherrschender taktischer Großverband. Der Regimentskommandeur bestimmt noch lange die Uniform und auch Ausrüstung seiner Truppe und die so sich entwickelnden Eigenheiten führen zu einer Vielzahl von traditionellen Stilelementen, die sich noch bis zum Weltkrieg von 1914 behaupten können. Es sei kurz erwähnt, dass in den Heeren die Entwicklung von Normung - Typung - Standardisierung der allgemeinen technischen Entwicklung folgt. Die Nähmaschine wurde ja bereits 1820 erfunden, setzte sich aber erst um 1840 gegen den erbitternden Widerstand des Berufsstandes der Schneider durch.

Der große Kurfürst bestimmte also blaues Tuch mit roten Aufschlägen zur Uniform der brandenburgischen Linieninfanterie und so sollte es dann auch bis 1918 bleiben. Wobei vielleicht berechtigt, nach einigen Historikern für die Massenheere des 18. Jahrhunderts bereits hier eine Grundeinteilung getroffen werden kann. Die großen französischen und österreichischen Heere trugen helle Röcke, also ungefärbtes und gebleichtes Tuch, die reichen Engländer konnten sich kostspielige rote Einfärbung leisten und die als preußischblau bekannt gewordene Farbe war ideal geeignet das grobe Tuch der Röcke zu kaschieren. Wie in allen anderen Staaten und deren gab es ja auch im heiligen römischen Reich deutscher Nation viele, entwickelten sich Waffengattungen mit ganz eigenen (und übernationalen) Uniformstandards, aber wir wollen uns zunächst auf die Infanterie beschränken.

Alte Zöpfe werden abgeschnitten. 1806 wird dieser Vorgang zum Sprichwort, die schon ohnehin sehr kurz gewordenen Zöpfe des preußischen Militärs weichen der neumodischen Kurzhaarfrisur. Ab 1806 folgte Preußen- der französischen Militärmode, mit dem hohen unpraktischen Tschako, der aber den für den Soldaten nicht unpraktischen Vorzug hatte, dass sich darin die Tabakpfeife verstauen ließ, wie auch schon in den preußischen Grenadiermützen. In den Befreiungskriegen wurden die Uniformen recht buntschekig die vielen neu aufgestellten Regimenter trugen zumeist aus England gelieferte Uniformen, Waffen und Ausrüstungen, was in den späten Geschichtsdarstellungen bis heute schlichtweg unterschlagen wird. Betont wird hingegen die behelfsmäßige Ausrüstung der neuen Formationen, der Landwehrregimenter bis hin zum berühmten Lützowschen Freikorps, wobei letzteres zum großen Teil aus Studenten bestehend, an der Entwicklung der heutigen Nationalfarben schwarz-rot-gold nicht unbeteiligt sein sollen. Die Studentenbünde der 1830er und 1840er sollen sich ihre Farben aus der Uniformierung des Freikorps schwarz eingefärbtes Zivilkleider, roter Besatzstoff und Biesen, goldfarbene Knöpfe abgeleitet haben. Und dafür spricht auch einiges.

Was sich aus der Zeit der Befreiungskriege noch bis in den Weltkrieg gerettet hat, war die aus der Not geborene Kopfbedeckung der mit einem Wachstuchüberzug (wie bei den Tschakos üblich) schlichten Schirmmütze. Diese Kopfbedeckung wurde als "Landsturmmütze" noch bis weit in den Weltkrieg hinein vom Landsturm getragen. Ein weiteres Element war die ponceaurote Hosenbiese. Noch in einer Vorschrift von 1888 ist nachzulesen, dass wenn im Kriegsfalle keine ausreichende Ausrüstung für den dann einzuberufenden Landsturm zur Verfügung steht, dieser als Soldaten "mindestens durch Feldmütze, Armbinde in den Nationalfarben und eine an die Hosennaht fest anzubringende rote Raspel" zu kennzeichnen sei. Die farbige Hosenbiese hat sich dann später noch bis 1945 - aber abgewandelt zur Waffenfarbe - an der Hose des "Waffenrocks" gehalten und erlebte nach 1945 auch in den 60er Jahren bei der Bundeswehruniform nochmals eine kurze Blüte.

Zwischen 1840 und 1850 erfolgen umfangreiche Heeresformen, die mit einer Neuausstattung des Heeres einhergehen. Die in dieser Zeit eingeführte Uniform und Ausrüstung sollte für die nächsten Generationen das als typisch empfundene Erscheinungsbild des preußischen Soldaten prägen. Der Tschako weicht der 1842 eingeführten Pickelhaube, die auch heute noch als typisch preußische Kopfbedeckung eingeordnet wird, obwohl sie uniformtechnisch damals als dernier crie galt und ursprünglich eine modische Erfindung aus Russland ist. Der konische Tschako mit hohem Schwerpunkt und schlechtem Tragekomfort wird durch einen glockenförmigen Lederhelm abgelöst der an der Oberseite mit einer Spitze versehen ist.

Diese soll symbolisch an die Speerspitze der Heere aus dem Altertum erinnern, erfüllt aber in Verbindung mit anderen Metallbeschlägen, einen durchaus praktischen Nutzen. Der Kopf soll vor Säbelhieben geschützt werden. Hierzu dienen auch die Schuppenketten des Kinnriemens und die gerade aus der Mode kommenden Offiziersepauletten mit Metalleinfassung, erfüllten ja auch ursprünglich diese Schutzfunktion. Als Uniform wird der Waffenrock eingeführt, der in der Form von 1849 bis 1918 in Gebrauch bleibt und stilistisch bei der Wehrmacht 1936 als Paradeuniform auflebt. Der dunkelblaue Rock mit Stehkragen hat vorne acht blanke Metallknöpfe, hinten sechs auf den Schoßpatten. Je nach Waffengattung oder Regiment hat er verschiedene Aufschläge. Die Rockfront und die Taschenpatten sind rot paspeliert, die Ärmelaufschläge und Patten ebenfalls, mit wechselnden Paspelierungen nach Waffengattung und Armeekorps. Der Kragen ist mit großen roten Patten versehen, er wird spätestens 1871 bei allen Regimentern vollfarbig.

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