Die Geschichte der Grenadiere


Der Name Grenadier (Granadirer) tauchte zuerst um die Mitte des 17. Jahrhunderts auf. Man bezeichnete damit Soldaten, die aus Gusseisen oder Glas bestehende Handgranaten gegen den Feind warfen. Dazu brauchte man entschlossene und kräftige Leute, die sich freiwillig zu diesem auch für den Werfer gefährlichem Geschäft meldeten. So wurde der Name Grenadier bald eine Ehrenbezeichnung, die auch dann noch für besonders tapfere und ausgesuchte Infanteristen gebraucht wurde, als um die Mitte des 18. Jahrhunderts die gefährliche Handgranate nicht mehr eingesetzt wurde. Grenadiere sollte mittelgroße, kräftige, "soviel wie möglich bärtige Kerls, die von guten Gesichtern sind", ihre Unteroffiziere die kleinsten vom Regiment, aber ausgesucht tüchtige sein.

Die ersten Berichte über ständige Verwendung von Grenadieren in der brandenburgisch-preußischen Armee stammen von einem 1675 geworbenen Regiment Mariniers, bei denen jede Kompanie 10 Grenadiere besaß. Laut einer Verordnung von 1681 musste sich aber bei allen Infanterie-Kompanien unter den Soldaten je 6 Grenadiere befinden. Die Grenadiere aller Kompanien eines Bataillons wurden zur Verwendung schon zu eigenen Kompanien zusammengezogen. Sie erhielten auch zuerst in der damaligen Infanterie statt der Luntengewehre die neuen Flinten, weil sie diese mit dem Gewehrriemen auf den Rücken hängen konnten und so die Arme zum Werfen frei hatten. Im Jahre 1689 erschienen im Exerzitium der Leibgarde auch die "Handgriffe der Grenadiere".

Im spanischen Erbfolgekrieg wurden die Grenadiere mehrerer preußischer Regimenter fallweise zu eigenen Bataillonen zusammengezogen, erstmalig 1703 bei Höchstätt, dann 1706 bei Cassano und Turin, eine Maßnahme, die sich im folgenden Jahrhundert oft wiederholen sollte. Zwar ging der Gebrauch der Handgranaten immer mehr zurück, doch blieben die Grenadiere die Elitetruppe. So entstanden eigene Grenadierbataillone, wie das rote oder auch "große" Leibbataillon und die weiße Grenadier-Garde. Außerdem hatte jede Infanteriekompanie ihre Grenadiere (12), die als Flügelgrenadiere bezeichnet wurden, weil sie im formierten Bataillon auf dem (meist) rechten Flügel zusammentraten. Vom Jahre 1735 blieben auch bei den Linien-Infanteriebataillonen die Grenadiere ständig in eigenen Kompanien beisammen, ergänzten sich aber immer noch aus bewährten Soldaten der anderen Kompanien.

Sowohl unter dem Soldatenkönig, als auch unter Friedrich dem Großen, hießen die Soldaten von des Königs Regiment (Garde) stets Grenadiere, auch wenn sie keine Grenadiermützen, sondern nur Hüte trugen. So trugen bei dem Regiment Friedrich des Großen (altpreuß. Nr. 15), welches aus dem I.Bataillon Garde und dem Regiment Garde (2. und 3. Btl.) bestand, nur die Flügelgrenadiere des 1. und 2. Btls. und das ganze 3. Btl. Grenadiermützen. Für die Kriegsdauer traten die Grenadierkompanien von je 2 Regimentern zu einem Bataillon zusammen, es gab aber auch "ständige Grenadierbataillone" aus Grenadierkompanien der Garnisoninfanterie und der in Wesel stationierten Regimenter.

Ab 1787 bildete dann jedes Infanterieregiment durch Verdoppelung der Grenadierkompanien ein eigenes Grenadierbataillon. Doch wurde der alte Zustand und damit der Elitecharakter 1799 wieder hergestellt. Die zusammengestellten Grenadierbataillone sollten aber auch im Frieden beisammen bleiben. Es bestanden nun 29 Bataillone.

Nach dem Frieden von Tilsit hatte wieder jedes Infanterieregiment 2 Grenadierkompanien, die von je 2 Regimentern zu einem Bataillon zusammentraten. Im Jahre 1814 wurden dann die Grenadierbataillone zu 2 Grenadierregimentern vereinigt, deren Chefs die Kaiser von Russland und Österreich waren und die 1820 Garderang erhielten. Sie hießen nun 1. und 2. Garde-Grenadier-Regiment. So blieb der Zustand bis zur Armeereform des Jahres 1860. Dann wurden 2 weitere Garde-Grenadier-Regimenter errichtet; die alten Infanterie-Regimenter 1-12 hießen fortan Grenadier-Regimenter.

Das Aussehen der Grenadiere wurde vorwiegend durch die eigenartige Kopfbedeckung bestimmt. Die Infanterie in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts trug einen breitkrempigen, recht niedrigen Hut. Da dieser sowohl beim Umhangen des Gewehrs als auch beim Werfen ziemlich hinderlich war, trug der Grenadier die übliche Lagermütze, die der Alltags- und Nachtmütze des Bürgers sehr ähnlich war. Dazu hatte er zunächst statt des Wehrgehenks ein Leibgehenk, an dem er Säbel und Bajonett, über die linke Schulter die große Granatentasche mit metallenem Luntenberger. Um 1700 wurden die Grenadiermützen allmählich höher, der Sack wurde gesteift und der Puschel ragte über das Vorderblatt, welches meist den Namenszug oder Wappen des Königs oder des Regimentschefs zeigte. Das Vorderblatt wurde auch mit Metall versteift und schließlich ganz aus Metall geprägt, wobei jedes Regiment ein eigenes Muster besaß. Auf den Patronentaschen hatten die Grenadiere in den Ecken 4 Flammen. Im Jahre 1787 wurden die Grenadiermützen (außer bei altpreuß. Nr. 6) abgeschafft. 1799 führte man eine neue Art von Grenadiermützen ein. Die Offiziere, die damals ja keine Grenadiermützen trugen, erhielten am Hut Federbüsche, statt der Stiefeletten Stiefel und verloren das Sponton als Dienstwaffe.

Nach 1808 trugen die Grenadiere am Tschako einen Adler. Zur Parade wurden Federbüsche, später ein Stutz aufgesteckt. Als nach 1842 mit dem Waffenrock der Helm eingeführt wurde, erhielten alle Truppenteile darauf einen Adler, doch unterschied sich der Grenadieradler immer noch in seiner Form. Auch wurde zur Parade ein Haarbusch aufgesteckt. Das 1. Garde-Regiment erhielt im Jahre 1824 zu den Paraden Grenadiermützen für das 1. und 2.Btl. nach russischem Vorbild. Das Füsilier-Bataillon bekam solche Mützen in etwas abgewandelter Form erst 1848.



Helmadler der Linien Grenadiere

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